Manifest der Neuen Sprache - der kleine Satz "Da muss man durch"

Heute möchte ich mich einem Satz widmen, den ich schon sehr häufig in sehr vielfältigen Situationen des Lebens gehört habe ... sodass ich davon ausgehe, dass ich nicht die einzige bin, die diesen Satz kennt:

 



 

"Da muss man durch."

 



 

Früher dachte ich, dass ich besonders brav und gut bin, wenn ich mich durch alles durchbeiße. Ist es euch auch so gegangen? Ich war eher der innerliche Rebell, der griesgrämig dreinblickte, während er sich äußerlich bemühte, allen Anforderungen Folge zu leisten. In meinem Fall war das ein ziemlich sicheres Rezept für große Frustration, Unzulänglichkeitsgefühle und Hemmungen, der eigenen Stimme zu vertrauen.

 



 

Aus diesem Grund habe ich mich entschieden, die Begleitung meines eigenen Kindes radikal anders zu gestalten und alles gerade auf diese innere Stimme zu setzen. Wenn die Motivation, das Leben zu leben mit allem, was dazu gehört, von innen kommt, dann kann das Leben erfüllend gelebt werden und die Herausforderungen gut genommen werden.

 

Wenn die Motivation dafür von außen kommt - man nennt das im Fach-Chargon übrigens extrinsische Motivation (vs. intrinsische Motivation) - hat man ein Leben lang das Gefühl, irgendwas hinterherzurennen und doch nie gut genug zu sein oder man lauscht permanent auf Anweisung. Falls diejenigen, die die Anweisungen in der Kindheit gegeben haben, weggefallen sind, hat unser Körper-System dafür den Inneren Antreiber entwickelt, der dann in diesem Anweisungston mit uns spricht.

 



 

Für alle, die sich danach sehnen, dass der Innere Antreiber liebevoll und mit Zutrauen zu ihnen spricht, bietet sich an, entsprechende Veränderungsarbeit zu leisten, um den Frieden im Inneren endlich erleben zu können und das schlechte Gewissen als Teil der Vergangenheit zu wissen.

 



 

Für alle, die Kinder haben oder begleiten, bietet sich an, wahrzunehmen, warum wir manchmal noch versucht sind, dieses Urteil „Da muss man/da musst du durch“ auszubringen. Warum glauben wir, dass es sinnvoll ist, dass unser Kind oder andere Kinder oder Mitmenschen durch irgendetwas durch müssten?

 



 

1. Es ist die Angst, dass sie es von alleine nicht tun würden.

 

2. Es ist die Angst, dass sie dann zum Problem für sich und somit auch für die Allgemeinheit werden könnten und wir als Eltern/Begleiter versagt hätten.

 



 

Zum ersten Punkt ist zu sagen, dass diese Angst vor allem aus einem Grund entstanden ist:

 

Weil wir glauben, keine Zeit zu haben.

 

In Notzeiten, in denen das Leben eher ein Überlebenskampf denn ein Leben zur Entfaltung ist, mag es noch angehen, dass man Mitmenschen und Kinder dazu antreibt und zwingt, sich zu einem Zeitpunkt oder fortwährend in ihrem Leben zu beeilen und mit Dingen zu beschäftigen, die sie gerade überhaupt nicht interessieren. Der Satz, "Da musst du jetzt durch (z.B. harte Feldarbeit, damit wir im Winter was zum Essen haben)", erhält somit einen ganz anderen Kontext und eine ganz andere Relevanz.

 

Allerdings wäre hier eine andere Formulierung denkbar wie etwa: "Lasst uns alles geben und alle zusammenhelfen, damit wir uns im Winter sicher fühlen können!"

 

Das ist nämlich eindeutig eine Hin-Zu-Motivation (statt Weg-Von-Motivation), die ganz besonders im Kind eine große Zugkraft freisetzt mitzuhelfen.

 

Sie erleben das, was getan werden muss, als sinnhaft und erstrebenswert und freuen sich, dass sie ihren Teil dazu beitragen können, die Welt, in die sie hineinwachsen wollen, mitzugestalten.

 

Und somit komme ich zum eigentlichen Kern.

 

Es sind die Ausrichtung auf das Sinnhafte und Gute und die Energie der Wertschätzung hinter den Worten, die die Musik machen - dabei ist das Bewusstsein tragend, dass jedes Lebewesen ein hohes Maß an intrinsischer Motivation besitzt, das es ins Leben einbringen möchte - ganz besonders kleine Kinder.

 

Es ist kein Zufall, dass das Innere Kind Träger unserer Lebensfreude und Motivation ist!

 

Doch das wird in unserer Gesellschaft fast schon kollektiv angezweifelt.

 

Und dadurch konnte es dazu kommen, dass dieser bittere Satz "Da musst du durch" auf alles übertragen wurde, was vor allem Kinder betrifft und Menschen, die nicht unbedingt Dinge tun wollen, weil man sie "eben tun muss".

 

Es ist kein Wunder, wenn ich einem Kind klarmachen will, dass vor über 150 Jahren irgendwelche Männer mit akademischer Ausbildung und politischem Einfluss - Frauen war das zu diesem Zeitpunkt aufgrund ihrer „genetischen Minderintelligenz" und "moralischen Schwäche" untersagt - beschlossen haben, dass alle Kinder nach einem von ihnen festgelegten Curriculum zu unterrichten seien und zwar still sitzend und auf eine Lehrperson ausgerichtet, die nur zu einem Zweck ausgebildet wurde - nämlich Wissensvermittlung - dass diese Kinder dann einen recht ratlosen Gesichtsausdruck annehmen und sich nach der Sinnhaftigkeit fragen.

 

Im Alltag nennen das Pädagogen gerne "Lernunlust", "Lernverweigerungshaltung" oder noch schlimmer "ADS" (Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom, manchmal noch gepaart mit "H" für Hyperaktivität).

 

Dabei wollen diese Kinder sehr wohl lernen und können sich durchaus konzentrieren. Es bräuchte nur vielleicht ein radikal anderes Setting und eine radikal veränderte Auffassung vom Lernen.

 



 

Aber da schlägt dann den Erwachsenen offenbar auch ganz besonders ihre zweite Angst ein Schnippchen. Denn was wäre das für ein Wagnis, die Gesellschaft zu reformieren oder gar zu revolutionieren, um dann möglicherweise festzustellen, dass das nicht gut geht.

 

Nicht gut für wen? Das Establishment, dass sich gerne in liebgewonnen Gewohnheiten aufhält, wo die Verhältnisse klar geregelt sind? Nicht gut für die Heranwachsenden, die sich dann ihre eigenen Regeln erschaffen?

 



 

Ich habe mich entschieden, zuallererst bei mir mit einer Veränderung anzufangen, bevor ich das Außen revolutioniere.

 

Deshalb habe ich mich auf die Suche nach unseren menschlichen Grundbedürfnissen gemacht - und festgestellt, dass diese Grundbedürfnisse bei uns allen sehr ähnlich sind, egal welchen Alters, Geschlechts, Nationalität, Religion etc. wir sind. Und ja, auch kleine Babys, ganz besonders kleine Babys, sehnen sich nach Geborgenheit, nach Vertrautem und nach dem Gefühl von Gelassenheit, Frieden und nach Achtung ihrer Ganzheit, sprich das Sich erfahren als gleichwertigen, wertgeschätzten  und konstruktiven Teil einer Gemeinschaft.

 

Gerade letztere Sehnsucht ist besonders wichtig für das erste Lebensjahr, in dem wir Menschen von unserer Entwicklung eigentlich noch im Mutterleib sein müssten, aufgrund anatomischer Veränderungen, die mit dem aufrechten Gang einhergehen, aber ca. 9 bis 12 Monate (etwa das Alter, in dem Kinder selbstständig laufen lernen und immer mehr feste Nahrung zu sich nehmen können) vor unserer eigentlichen „Reife“ geboren werden.

 

Dieses erste Lebensjahr ist also besonders sensibel für alle Erschütterungen des sogenannten Kontinuums - der fortgesetzten Verbindung zur Mutter mit ihrer Körperwärme, ihrer Energie, ihren Emotionen, ihrer Berührung, ihrem Pulsschlag und ihren Bewegungen.

 

Einem Baby zu sagen, du wirst aber bereits mit vier Monaten abgestillt, damit du pünktlich mit einem halben Jahr in der Krippe abgeliefert werden kannst und ich wieder ins Arbeitsleben zurück kann, da musst du jetzt durch - schließlich haben wir das alle geschafft", kreiert ein Notfallprogramm mit entsprechenden Auswirkungen auf das neuronale System und auch alle anderen energetischen Systeme. Babys können sich nicht wirklich wehren. Sie schreien, aber wenn dieses Signal ignoriert wird, hören sie irgendwann desillusioniert und verzweifelt damit auf. Ihr Kontinuum ist zerstört. Kommen noch weitere desillusionierende Erlebnisse hinzu, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind zu einem eingeschüchterten, gehemmten, unsicheren Menschen heranwächst, der sehr viel Energie in die Kompensation dieser unerfüllten wahren Bedürfnisse stecken muss.

 



 

Im Sinne des Manifestes der Neuen Sprache sollten Motivation und Relevanz, die zu dem Satz "Da muss man durch" führen von allen Seiten hinterfragt werden.

 

Wie oft sagen wir den Satz, weil wir es so gewohnt sind und können entdecken, dass wir das gar nicht mehr möchten?

 

Welche Motivation verfolge ich (als Erzieher)? Welche Bedürfnisse sollen dadurch erfüllt werden? Sind dies wahre Bedürfnisse (siehe oben) oder das Vermeiden von etwas, das Angst auslöst? Wovor habe ich Angst?

Im Beispiel mit der Krippe möchte die Mutter vielleicht den Anschluss an ihre Karriere und damit verbundene Erfolgs- und Finanz-Chancen nicht verpassen. Muss sie da durch oder glaubt sie das tun zu müssen oder will sie das wirklich? Muss ihr die Gesellschaft nicht mehr Chancen und Wertschätzung bieten, Mutter sein zu dürfen, solange ihr Kind sie wirklich braucht? Nun, das ist jetzt ein anderes Thema.

 

 

 

Wie muss die Formulierung des Satzes „Da musst du jetzt durch“ wirklich lauten, damit die Positivkraft, die dahinter steckt zum Wirken kommt und wir unsere intrinsische Motivation entfalten können?

 



 

Ich habe mich entschieden, den Satz - wenn ich den Impuls spüre, ihn sagen zu wollen, weil es so viel einfacher ist und man meint, sich Erklärungen sparen zu können, in einen lebendigen Kontext zu stellen. Zum Beispiel "Wenn du diese Schulausbildung machst, hast du die Chance ganz viele interessante Dinge für dich zu entdecken und herauszufinden, was dir gefällt. Es ist eine Zeit des Ausprobierens, die im Grunde nie aufhört. Der Ort Schule ist dabei nur ein kleiner Aspekt deines Lebens und du erhältst dafür keine Noten. Nur deine eigene Bewertung, ob es dir gefällt und ob du das, was du dir beibringst und was dir andere Menschen vermitteln, gut findest und gerne anwenden und weiterentwickeln möchtest." Damit dieser Satz stimmig ist, entschied ich mich für eine private Reformschule (ohne Noten und Bewertungen, ohne Sitzordnung, ohne Frontalunterricht, mit viel Raum, Zeit und Achtsamkeit für individuelle Lernwege, Entwicklungen und Leistungsniveaus – eine Schule, die eigentlich Standard sein sollte, die es aber aus Sicht des Staates gar nicht geben sollte).

 



 

Viele Worte.

 

 

 

Ja, aber oft muss man diese Worte gar nicht alle aussprechen. Es reichen die positive Vision und Energie dahinter.

 



 

Es ist immer einen Versuch wert.

 

 

 

Wie lautet dein transformierter Satz von „Da musst du durch“?

 

 

 

 

 



Ich freue mich auf eure Kommentare, Anregungen, Wünsche, Fragen, konstruktive Kritik etc.

Eure

Regina Lumina

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Kommentare: 6
  • #1

    Denise Sitja'Nara Kufer (Donnerstag, 05 April 2018 22:59)

    Du schaffst das, weil du es schaffen kannst und weil du dich umentscheiden kannst, wenn es dir doch nicht gefällt.

  • #2

    Regina Lumina (Freitag, 06 April 2018 09:42)

    AN'ANASHA.
    Dein Satz ist genial! :-)

  • #3

    Sonya Mara (Samstag, 07 April 2018 23:24)

    Du kannst dich immer wieder neu entscheiden

  • #4

    Regina Lumina (Sonntag, 08 April 2018 19:49)

    Vielen Dank für deinen transformierten Satz, liebe Sonya.

    Ja, wir können uns - wie auch schon Denise geschrieben hat - immer in jedem Moment neu entscheiden, wenn es dienlich für uns ist, etwas anderes zu wählen.
    Oft tun wir das nicht, weil wir Angst vor den Konsequenzen haben, weil wir "anständig" sein wollen oder glauben, funktionieren und etwas erfüllen zu müssen.

    Es ist wichtig, dass wir uns erinnern, wie viel Mut wir mitbekommen haben - wir haben einen inneren Rebellen in uns. Darüber werdet ihr am Montag, den 9.4.2018, das Channeling von Jesus und deinem Inneren Rebell auf www.luminas-licht.de/angebot/heilenergiefeld/ finden.

    Ich wünsche euch viel Freude beim Anhören.

  • #5

    Sonya Mara (Dienstag, 01 Mai 2018 13:14)

    JA, liebste Regina Lumina , als ich dein Channeling von Jesus gehört habe , sind mir die Tränen Tropfenweise hinuntergelaufen, so WAHR so WERTVOLL ich sende dir und Jesus liebevolle AN`ANASHA Blumen in DANKBARKEIT dafür von Mara

  • #6

    Regina Lumina (Mittwoch, 02 Mai 2018 09:21)

    Liebe Sonya Mara,

    AN'ANASHA für dein Feedback.
    Ich freue mich sehr, dass dir das Channeling so gut gefällt.

    Alles Liebe

    Regina Lumina